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RUMOR
     
 


Der Rumor rumort im Inneren und ist mit Humor erträglicher






























Gebhard Bock

BEKENNENDER GUTMENSCH
Manchmal zornig, manchmal traurig, immer suchend.

Menschsein muss verantwortet werden.


Ob ich ein Querdenker bin, weiß ich nicht. Vielleicht bin ich ein Schrägdenker mit schmerzhaften Kontakten zu den Leitplanken des Lebens.

Weder möchte ich die Gesellschaft umkrempeln noch eine neue Kultur
predigen. Beide sind jedoch des Verbesserns würdig. Dies kann sich in der 
Vertiefung vollziehen. Hinschlittern auf der Oberfläche unserer Bedürfnisse wird nichts ändern.
Jede Gesellschaft braucht Querdenker, die neue Wege aufzeigen. Wenn
Querdenker ungehört bleiben, wird es der Katastrophen bedürfen,
um notwendige, und deshalb nicht aufhaltbare Veränderungen einzuleiten.
Dies lehrt uns die Geschichte.

Unsere Gesetze sind von Egoismen verbogen und zeigen nur juristische Grenzwerte auf. Zur Vermittlung von Ethik sind sie nicht geeignet.
Mensch sein, muss verantwortet werden.

Das Leben ist ein Schöpfungsakt. Unsere Wahrnehmungen drängen uns, 
neue Werte zu entwickeln. Jeder hat eine Antenne für Ethik, die seine Ethik ist. Sie ist ein Merkmals seiner Persönlichkeit und ein Weg zu sich selbst. So will ich meine Werte vertreten, trotz der Gefahr,als Moralapostel in der falschen Schublade zu landen. 

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Links:

(Sie sollen den eigenen kritischen Verstand nicht ausschalten)
Für den Inhalt ist jeder selbst verantwortlich
www.attac.de/tuebingen
www.avaaz.org/de

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ZORNGEBORENE GEDICHTE
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Ein Fluch dem Krieg

Stumm stehe ich in meinem Zorn.
Gelähmt sind die Schreie.
Der Wut weihe
ich mein Leben.
Du sollst beben
und genachtet 
sein, verachtet. 

             Ihr Kinderlein kommet, 
             blaset in mein Horn.

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bitte warten
 

eine einsicht verdunstet
an aussicht auf ansicht
mächtiger macher 
die gereinigte wahrheit wird
transpirativ ausgeschieden
und bleibt geruchlos
bis sie von annalen
infiziert wird.
einsicht und wahrheit
versammeln sich in
finsteren wolken
es zucken blitze
bitte warten!

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Eine Einsicht:

Wenn es um Macht geht, kennen die Mächtigen keine Gnade

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Ansichten und Fragen zu den Themen der Zeit

von unten nach oben nummeriert



027
im Juni 2017

EINE UNDURCHSICHTIGE WAND

Eine undurchsichtige Wand ist der Wahltermin zur Bundestagswahl am 24. September 2017. Wir sehen nicht, welche Versprechen der etablierten Parteien ernst gemeint, über die Hürde des Wahltages springen werden. Wir  wissen auch nicht, welche in Pseudolösungen münden und welche ganz vergessen werden. Die Mietpreisbegrenzung ist nur ein Beispiel für unfruchtbaren Aktionismus mit dem Ziel den Bürger zu beruhigen, am Ende zu täuschen. Die Wähler sind verunsichert und, wie jüngere Wahlprognosen gezeigt haben, nicht mehr ausrechenbar.

Die Menschen wollen soziale Sicherheit, die ihnen erlaubt Kinder großzuziehen, ohne sich dabei verantwortungslos zu erscheinen. Sie wollen bei Krankheit, Arbeitslosigkeit  und im Alter sozial gesichert sein. Leiharbeit und Zeitverträge sind keine soziale Absicherung. Die unsägliche Privatisierung der Altersversorgung und die zunehmend ungerechte Verteilung der Einkommen sind das Ergebnis von Gesetzen, die von der Lobby des Kapitals formuliert wurden.

Der ungezügelte Kapitalismus zeigte nach dem Fall des Eisernen Vorhanges im korrupten Russland unter Jelzin sein besonders abschreckendes Gesicht. Die Russen haben sich nach diesem Schock von einer kapitalistischen Weltordnung nicht mehr  überzeugen lassen. Man mag den Russen anrechnen, dass sie mit der neuen Ordnung nicht umgehen konnten, die Nachteile noch nicht kannten. Das Beispiel lehrt uns: ohne Moral und Regeln kann keine Gesellschaft bestehen, gleichgültig wie sie sich auch orientiert. Freiheit verpflichtet zur Mäßigung.

In Deutschland hat der Kapitalismus unter dem sozialdemokratischen Kanzler Gerhard Schröder einen Kantersieg errungen. Unter der Agenda 2010 wurden Gesetze verkündet die sich als sozialer Abbau, ganz besonders durch Missbrauch von Leiharbeit und Zeitverträgen darstellten. Gewiss, Missbrauch ist auch, wenn Mütter Arbeitslosengeld beziehen, die im Grunde keine Arbeit suchen und bei jedem Vorstellungsgespräch eine Krankheit erwähnen, um sich als unzuverlässige Arbeitskraft darzustellen. Eine bessere Mütterversorgung könnte hier Wortakrobatik überflüssig machen und der Wahrhaftigkeit zuträglich sein. Dass die „Hartz vier“- beziehenden Mutter im Gegensatz zur Millionärsgattin bei der Rente keine Mütterzulage bekommt sollte jedem Abgeordneten den Schlaf rauben.

Es geht um gerechtere Verteilung der wirtschaftlichen Erträge. Die Reichen sollen nicht arm, nur langsamer reicher werden, damit auch alle anderen am Zugewinn teilhaben können. Nachdem die Ergebnisse der Agenda 2010 in ihrer Tragik sichtbar wurden, müssen SPD und GRÜNE ihre Fehler einsehen. Nur eingestandenen Fehler können verziehen werden.

Die Deutschen wollen Frieden und Schutz vor feindlichen Aggressionen. Dies setzt voraus, dass auch wir nicht aggressiv sind und niemand bedrohen. Nachdem das militärische Bündnis des Warschauer Paktes sich aufgelöst hatte, hätte sich auch die NATO auflösen müssen. Es wäre ein Akt der Fairness gewesen. Stattdessen wurde sie unter der Führung der USA durch Aufnahme immer neuer Länder, entgegen der ursprünglichen Zusage, bis an die Grenzen Russlands vorgetrieben. Peinlichst wurde das Bild von der „guten Nato“ und dem „bösen Russland“ aufrecht erhalten und gepflegt. Wenn aber die Nato nicht gut und Russland nicht böse ist, wer bedroht dann wen? Die Russen haben sich eine Provokation nach der anderen gefallen lassen müssen. Erst als mit der Ukraine ihre wirtschaftlichen Kerninteressen, mit der Krim auch ihre elementarsten militärischen Interessen gefährdet sahen, begannen sie sich zu wehren. Wir sollten es objektiv sehen. Wenn die Russen die sorbische Minderheit in Deutschland unter ihre Kontrolle bringen wollten, würde uns das nicht gefallen. Gewiss dieser Vergleich hinkt, mag aber trotzdem die Emotionen der Russen verständlich machen, wenn es um die Ukraine geht. Die militärischen Ausgaben der USA betragen das Vielfache der Russischen. Nun sollen auch die übrigen Nato-Länder zu noch höheren Ausgaben gezwungen werden.

Trotz Warnungen aller Experten wurde in Syrien der „Arabische Frühling“ vom Zaun gebrochen. Das Chaos von Lybien und dem Irak war nicht Lehre genug. Es geht unter Anderem auch um Einfluss im dem Land wo die Russen ihren Letzten Marinestützpunkt im Mittelmeer unterhalten. Ist das wirklich eine aggressive militärische Gefahr für den Westen?

Wir müssen unsere eigene Freiheit mit Waffen verteidigen, wenn es denn notwendig ist. Wir sollten auch für die Freiheit anderer Länder einstehen, aber nicht mit Waffen. Waffen sind gewalttätig und können keine Freiheit bringen. Die sicherste Methode einen Waffenstillstand zu verhindern ist, den Rücktritt des gegnerischen Machthabers zu fordern. Es ist tragisch, wenn die CDU, die das Christliche in ihrem Namen vorzeigt, die aggressive Politik der USA geradezu hörig mitträgt. Es schadet dem Frieden und dem Ansehen der christlichen Kultur. Europäische Friedenspolitik beginnt mit humaner Hilfe, setzt sich fort mit Entwicklungshilfe im wahren Sinn des Wortes. Auch das muss europäische Kultur sein.
Unsere freiheitliche Demokratie ist nicht von außen gefährdet, sondern durch unkontrollierte Finanzmächte. Die behaupten zwar, sie sei von außen gefährdet, verhängen dabei jedoch Handelsboykotte gegen ungebeugte Staaten als Mittel des modernen Krieges. Beispiele sind Cuba, Venezuela, Iran, Russland und zuletzt auch Katar. Kein einziges dieser Länder bedroht die Freiheit Europas oder der USA. Der Anschlag auf das World Trade Center (09/11) war kein kriegerischer Anschlag auf die USA, sondern ein Verbrechen. Niemals hätte man Verbrechern den Status von Kämpfern geben dürfen. Das war von rechtspopulistischer Art und heute sehen wir, wie dieser Rechtspopulismus um sich greift. Nicht erst seit dem unberechenbaren Trump steht Europa und auch die USA vor der Notwendigkeit eine Friedenspolitik zu entwickeln, die vor dem Einfluss der unsäglichen Finanzmächte geschützt ist. Verschwörungstheorie? Da bin ich in guter Gesellschaft. „Wir werden regiert (…) von Männern (…) von denen wir noch nie gehört haben. Dies ist ein logisches Ergebnis der Art, wie unsere demokratische Gesellschaft organisiert ist.“ J. F. Kennedy in einer Rede  am 27. April 1961. Er hat seine Worte noch zweieinhalb Jahre überlebt.
Rechtspopulismus  gehört zu den Feldern auf denen solche unsäglichen Mächte leichtes Spiel haben, weil da sachliche Argumente durch emotionale Überhöhungen ersetzt werden. Dem muss klarer Verstand und verantwortungsbereites Handeln entgegengesetzt werden. Ein leichtfertiges „Weiter so“ lässt sich nicht mehr vertreten. Die Konservativen müssen zu einem Paradigmenwechsel bereit sein. Die Bürger sehen, dass sie nicht ernst genommen werden. Ein undurchsichtiger Wald von Gesetzen aus denen ihnen immer mehr Nachteile erwachsen, macht sie rebellisch. Ernst genommene Wähler sind zugetan, Protestwähler sind unberechenbar.  

Die Menschen wollen ihre Kultur leben, sich darin entfalten und anerkannt sein. Im Grunde ist es wieder der unsägliche Populismus, der die Friedsamkeit stört. Da wird den Menschen via Religion oder anderer Zugehörigkeit eine Identität angeboten in der sie sich selbst überhöhen und andere verachten. Das ist die uralte Masche der Despoten, die menschenverachtend nach Macht mittels einer möglichst großen Zahl von Anhängern streben. Man kann aggressiven Muslimen die mitteleuropäische Leitkultur vorhalten und nicht bemerken, wie ihnen gerade dadurch der Rücken gestärkt wird. Es geht nicht um christliche oder islamische Identität. Es geht darum, ob Religionen überhaupt eine Identität geben können die nicht missbrauchbar ist. Aufklärung ist überfällig. Religionen werden und dürfen diese Aufklärung nur überleben, wenn sie sich auf ihr ureigenstes Gebiet zurückziehen, auf die Seelsorge. Nur so können sie sich friedsam rechtfertigen.
Europäische Identität muss tolerant und selbstbewusst mit Bezug auf Freiheit und Menschenrechte verkündet werden und sich gegen jede Einschränkung wehren. Diese Werte gehören in jede Schule und jeder Demokrat wird sie bejahen. Dies ist die Voraussetzung für europäische Identität. Freiheit verpflichtet zur Mäßigung.

Wir stehen mit unfertiger Orientierung vor der Auswahl der Parteien und wissen nicht, wer unsere Bedürfnisse besser vertreten wird. Nach der Wahl werden die Reden andere sein.  Mit Wahrhaftigkeit können die Parteien dem Wähler Respekt zollen. Mit Entwicklung der Sensoren für diese Wahrhaftigkeit werden wir, Wähler und Parteien, reif für die redliche Demokratie. Der Wähler wird diesen Respekt mit Stimmen honorieren. Enttäuschte Wähler sollten wissen, durch Protestwahl mit Zuwendung zu Populisten liefern sie sich selbst der Verachtung aus. Ihren Protest bringen sie mit ungültig gemachten Stimmzetteln besser zum Ausdruck.

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026
im April 2017

Ein Giftgasangriff am 04.04. 2017 auf Chan Schaichun und seine Folgen:

Tote und Verletzte durch Giftgas werden mit einem Angriff der syrischen Luftwaffe in Verbindung gebracht.
Der Angriff fand erst statt, nachdem die Toten und Verletzten gemeldet waren, sagen die Syrier.
Russland will eine unabhängige Untersuchungs-Kommission einsetzen.
Das wollen die Amerikaner nicht. Sie greifen einen syrischen Flughafen an und verlangen eine UN-Resolution, die Syrien für den Giftgasangriff verurteilt und die Russen als Sympathisanten in die Plicht nimmt.
Das wollen die Russen nicht.
Die G7-Staaten beschließen, dass die Zukunft Syriens nur ohne seinen derzeitigen Präsidenten Assad möglich sei.
Dazu zitiere ich einen Satz aus meinem Buch „Die Schuld des Schweigens“:
„Die Forderung nach dem Rücktritt des gegnerischen Machthabers ist die sicherste Strategie, um Waffenruhe zu verhindern.“


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025
im Februar 2017



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024
im November 2016

Nach der Wahl des US-Präsidenten  

So sprach der Rechtschaffene mit dem einfachen Weltbild: Endlich kann ich einenPräsidenten wählen, der mir Recht und Unrecht nennt.
Er wählte Trump.

So sprach der  Ängstliche: In eurem Kollektiv will ichsein, das stark ist und mich zu schützen vermag, in dem ich Anerkennung findenkann.
Er wählte Trump.

So sprach der Machtgläubige: Wir brauchen einen starkenPräsidenten der allen anderen zeigt wo es lang geht.
Er wählte Trump.

So sprach der Enttäuschte: Ich habe euch geglaubt undschmerzhaft war es, eure Lügen zu erkennen. Nun lecke ich meine Wunden, willnicht länger alleine leiden.
Er wählte Trump.

So sprach der Wütende: Wie lange noch glaubt ihr, michbelügen und betrügen zu können? Dem will ich nun ein Ende setzen.
Er wählteTrump.

So sprach der normale Mensch: Ich glaubte an die Demokratieund musste erkennen, dass es eine Finanzokratie war. Nun wähl ich euch ab.
Erwählte Trump.

Sie waren in der Mehrzahl



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023
im Juni 2016

CETA und TTIP
Handelsverträge

Handelsverträge sind nicht so harmlos, wie sie scheinen. Viele der mit Entwicklungshilfe beglückten Staaten Afrikas haben es bitter erfahren. Als Folge stehen nun Verarmte und Hungernde an unseren Grenzen. Naturgemäß werden bei der Formulierung der Vertragstexte die Interessen derer wahrgenommen, die an den Texten mitarbeiten. Das sind Gruppen aus Finanz- und Wirtschaftswelt, sowie deren Vertreter in der Politik. Es geht um die Festschreibung ihrer Interessen als Rechte, unbeachtet der Rechtsprechung der betroffenen Länder. Dass Abhängigkeiten geschaffen werden, wird hingenommen, denn Abhängige können erpresst und ausgebeutet werden. Kurzum, die Vertragstexte leiden daran, dass keine Menschenrechtler mitwirken. Dass der Vertragstext im Falle TTIP nur unter Vorbehalten zugänglich gemacht wird, ist bezeichnend. Unser Wirtschaftsminister beklagt, dass die Menschen gegen TTIP seien, obwohl sie die Inhalte gar nicht kennen. Da gratuliere ich zum Rohrkrepierer des Jahrzehntes, Herr Gabriel. Gerade weil die Menschen den Inhalt nicht kennen, müssen sie dagegen sein.

Nachdem selbst der IWF eingesehen hat, dass ungeregelte Finanzmärkte nicht mehr tragbar sind, sollen nun Handelsverträge festgeschrieben werden, die lt. Prof. Nettesheim Daseinsvorsorge und politische Gestaltungsspielraum von Ländern und Gemeinden berühren. Auch die Privatisierung braucht Grenzen, wenn genau dies der Fall ist. Sonst zapfen wir am Wasserhahn bald eine Dreckbrühe, die durch Chlor unschädlich gemacht wurde.



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022
im Mai 2016

Das Schweigen der Deutschen.

Im Namen der Deutschen wurden während der NS-Zeit grausige Verbrechen begangen. Kollektive Schuld ist nicht justiziabel. Wir weisen die Darstellungen eines mordlüsternen deutschen Volkes zurück, doch eine Schuld ist geblieben. Wir müssen sie formulieren und bekennen, damit die Opfer verzeihen können.

„Das geht mich nichts an. Damit habe ich nichts zu tun“, mag mancher sagen und verweigert seinem historischen Erbe die Annahme.
Dieses Erbe ist aber nicht nur NS-Verbrechen, Holocaust und Weltkrieg, sondern auch Bach, Beethoven, Goethe, Schiller, Hölderlin, Kant, Nietzsche; von Albertus Magnus bis zu den Geschwistern Scholl spannt sich der Bogen der historischen Persönlichkeiten, deren Erben wir auch sind. Dieses Erbe ist ein Ganzes. Wir können es nicht teilweise annehmen.

Seit 70 Jahren fragen Kinder, Enkel und Urenkel immer noch fassungslos, wie es geschehen konnte, und stehen allein gelassen vor der Mauer des Schweigens. Wir dürfen uns dem historischen Erbe nicht verweigern, wenn es uns nicht zum unbegreifbaren Volk von Mördern stempeln soll.

Natürlich tragen wir keine Schuld an den Verbrechen von damals, aber wir müssen verhindern, dass sich Gleiches wegen alltäglichen Schwächen, wie Gleichgültigkeit, Bequemlichkeit, Begehrlichkeit oder Hartherzigkeit wiederholen kann.
Das Wissen um die Untaten in der NS-Zeit macht uns schuldig an unserem Werden. Wir haben dafür zu einzustehen, dass solche Gräuel nicht mehr geschehen. 
Das sind wir der Welt schuldig.
Es ist die Schuld des Werdens, unsere Erbschuld.



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021
im April 2016

Erdogans Machtspiele

Europa sieht in der Vereinbarung mit dem türkischen Präsidenten Erdogan eine Lösung des Flüchtlingsproblems. Doch dieses Problem ist ein humanes. Dass es gut gehen könnte, ist schwer zu glauben. Wo Macht um der Macht Willen ausgeübt wird, bleiben humane Lösungen auf der Strecke. Europa braucht die Türkei mehr als umgekehrt, sagt Erdogan unverblümt und erlaubt sich eine Provokation nach der anderen. Die Not der Flüchtlinge scheint er nicht wahrzunehmen. Täte er dies, müsste er ja auch dafür Verantwortung übernehmen. Jedenfalls wird er es nicht zugeben, solange er stattdessen die Rolle des mächtigen Maxe spielen kann.

Die Pressefreiheit in europäischen Ländern abzuschaffen, darf ihm nicht gelingen. Deutschen Journalisten die Durchreise zu verweigern, ist ein willkürlicher Akt, den wir nicht verhindern können. Wie dieser seltsame Präsident sein Verhalten mit der Forderung nach Reiseerleichterungen in die EU vereinbaren kann, bleibt sein Geheimnis. Es ist zu befürchten, dass er danach sein Drohpotential gegen Europa ausbauen wird.

Irgendwann wird er zu hoch pokern und gegen eine Wand laufen. Kann uns das trösten, solange die Flüchtlinge leiden?

Können wir nach objektiver Einschätzung erwarten, dass die Flüchtlingsvereinbarungen für Erdogan mehr sein werden als eine bequeme Geldquelle.

Europa sollte sich nach Ersatzlösungen umsehen. Die sind nur als einiges Europa erreichbar. Auch die in Europa lebenden türkischstämmigen Menschen sollten ihre Identität entdecken, die sich nicht mit der Unmenschlichkeit Erdogans Erpressungsversuchen vereinbaren lässt. Sie haben eine Stimme, die nicht überhört werden kann.

Und es bringt Ehre, der Humanität zu dienen. 



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020
im April 2016

Böhmermanns emotional wirkender Kontext

So wird der Fall Böhmermann, der in gleichem Maße auch ein Fall Erdogan ist, nun also von Justitia entschieden. Die alte Dame ist nicht zu beneiden. Sie wird die Aufgabe, so oder so, im Sinne der Beteiligten nicht lösen können.

Da haben wir auf einer Seite den türkischen Präsidenten der Dank seines Amtes Respekt verdient, sich auf eine demokratische Mehrheit stützt, dabei jedoch nicht mit der selbsteigenen Würde und Gelassenheit oder auch humanen Autorität, die seinem Amt zugutekäme, ausgestattet ist. Sind es seine narzisstische Selbstgefälligkeit, seine brutalen Maßnahmen gegen politische Gegner oder nur sein engstirniger Machtanspruch, die in unseren Augen abstoßender wirken? Seine demokratische Legitimation steht jedoch außer Zweifel, solange er die Demokratie selbst respektiert und zulässt. Dann können ihn die Türken ja auch wieder abwählen.

Auf der anderen Seite steht der reizbare Satiriker, nicht reizbar wäre er keiner, der dem Machtbesessenen seine Grenzen zeigen will. Grenzen liegen freilich immer dort, wo zwei Seiten an ihrem Ende sind. Mit seinem Hinweis, er wolle zeigen, was eine Beleidigung ist, hat er sich zwar formal der Justiz entzogen, durch seine überspitzte Ausdehnung jedoch dem natürlichen Kontext einen konstruierten, emotional durchaus wirksamen Kontext hinzugefügt. Die Kanzlerin hat das sehr wohl verstanden, als sie den Satiriker kritisierte. Nicht nur Politiker geben ja immer wieder schlechte Beispiele, wenn sie Namen von unbequemen Meinungsvertretern sprachlich in die Nähe von beleidigenden oder abwertenden Begriffen bringen. Wenn also der Name Erdogan mit einem sexperversen Begriff in einem Gedicht vorkommt, ist das eine Nähe, die formal keine Beleidigung sein muss, bei vielen Lesern aber emotional zu wirken vermag. So ist es z. B., auch wenn ein unbequemer Fragensteller mit dem Begriff Verschwörungstheoretiker benachbart wird.

Im Grunde kann es uns nur um Menschenwürde, Meinungsfreiheit, Menschenrechte gehen. Die sind keine nationalen Besitztümer, sondern Früchte unserer Zivilisation. Dies muss Erdogan akzeptieren, wenn es ihm auch nicht in seine politische Wunschlandschaft passt. Wir müssen sie vertreten und verteidigen. Dabei können wir allerdings ohne emotional wirkende hinzugefügte Kontexte überzeugender sein.



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019
im März 2016

Die Welt der Medien verändert sich.

Das Ergebnis bleibt offen. Das Verhalten des Konsumenten wird mitbestimmen. Die Überflutung mit Nachrichten aus aller Welt in den elektronischen Medien ist keineswegs attraktiv. Sie ist aufdringlich. Wer im Netz unterwegs ist, hat Mühe sich ihrer zu erwehren. Im politischen Bereich ist sie oft auf emotionale Gleichschaltung aus und dabei tendenziös bis unseriös. Nichts schadet der Demokratie mehr, als manipulierende Nachrichten, die entlarvt werden. Der als manipulierbar missachtete, verärgerte Bürger wendet sich radikalen populistischen Politikern zu, die von etablierten Parteien als unseriös dargestellt werden. So können sie als Protestwähler die größtmögliche Wirkung erzielen. Bei anderen führt es zu populistischen, z.T. hysterische Personenverehrung, wie man an Erscheinungen und Wahlergebnissen in Ostdeutschland sehen kann.

Da ist es geradezu eine Herausforderung an die lokal angelegte Presse, Nachrichten aus aller Welt von ihren tendenziösen Beiwerk zu reinigen und der Leserschaft anzubieten. Sie müssen knapp und glaubhaft prägnant sein. Hintergründe und Interessen der Quellen sind wichtig, müssen den Kommentaren vorbehalten sein. Hier kann sich die lokale Zeitung Nähe zum Leser schaffen und von den großen Medien positiv abheben, zumal, wenn sie finanziell von Interessenträgern unabhängig ist.



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018
im März 2016

Machtpoker in Baden-Württemberg 

Wenn es um Macht geht, kennen die Machtgierigen keine Gnade. Deshalb sind Machtkämpfe zuweilen auch widerlich. 

Baden-Württemberg hat gewählt:
Grüne 30,3% + 6,1,
CDU 27,0% - 12,0,
AfD 15,1% +15,1,
SPD 12,7% - 10,4,
FDP 8,3% +3,

„Baden-Württemberg hat Grün-Rot abgewählt“, sagte der Wahlverlierer Guido Wolf als Erstes am denkwürdigen Wahlabend. Diesen Satz hatte er offenbar schon während des Wahlkampfes auswendig gelernt, und weil er keinen anderen hatte, merkte er auch nicht, wie deplatziert er war. Der Mann, der empfindliche Verluste hinnehmen musste, erklärte dem eindeutigen Wahlgewinner, dass er abgewählt sei. Dies in der Absicht, mit dem zweiten Wahlverlierer SPD und der Nichtpartei FDP eine Koalition zu bilden und den Wahlgewinner aus der Regierung zu drängen. Kann er nicht lesen oder ist ihm der Wille des Wählers scheißegal. Die Machtgier scheint, wie die Dummheit, nicht wehzutun.
Ließe sich die SPD auf diese Koalition ein, reduzierte sie sich zur Partei der Mehrheitsbeschaffer mit fatalen Folgen. Dem Wähler bliebe es, nach dem Sinn von Wahlen und der repräsentativen Demokratie zu fragen, und deren Beine verlieren ohnehin ihre einst so stabile Tragfähigkeit.
Es gab da ja noch einen weiteren Wahlgewinner, die AfD. Hatte diese Partei soviel bessere Argumente, dass sie 15% der Wähler überzeugen konnte. Zweifel sind angebracht. Diese Partei wurde von allen anderen desavouiert, ohne sich mit ihren Argumenten ernsthaft auseinanderzusetzen. Dadurch wurde sie für viele Wähler zur Protestpartei, die man wählen konnte ohne die Gefahr, dass sie irgendwann in die politische Verantwortung kommt. Wähler die sich nicht wahrgenommen fühlten, wählten die Partei, deren Argumente nicht ernstgenommen wurden. Das sind Auswüchse einer ungepflegten politischen Landschaft. Deshalb sollten alle Parteien mehr mit Argumenten und weniger mit gegenseitiger Verunglimpfung arbeiten. Das wäre dann auch eine Verneigung vor dem Wähler.
Im Machtpoker gibt es noch eine weitere Option: die Koalition CDU , AfD und FDP. Dieser Schuss nach hinten wäre dann ein wahrer Kracher.



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017
im Januar 2016

Machtspiele 

Als Angela Merkel 2005 zur Bundeskanzlerin gewählt wurde, sah ich in ihr die Verlegenheitskandidatin, auf die sich die Machtbesessenen in den Unionsparteien einigten, weil sie den fälligen Machtkampf wegen unübersichtlicher Gemengelage in ihrem Gefolge nicht wagten. In Erwartung einer widerlichen Demontage mit Gezerfe, Anfeindungen und Beleidigungen bedauerte ich damals die erste Kanzlerin in Deutschland.

Ich sollte mich täuschen. Sie hat es mit Flexibilität und hellem Gehör auf die Erwartungen der Bürger geschafft, ihre Position zu festigen. Bald war sie die Garantin der Macht und als solche unangreifbar.

Freilich kamen von ihr nicht gerade die wegweisenden weltpolitischen Entscheidungen. Zu oft hat sie sich den Erwartungen der USA kritiklos gefügt. Der Rückwärtssaldo in der Kernenergie nach Fukushima betätigt allerdings ihr helles Gehör. Und die Erkenntnis, dass der US-amerikanische Einfluss in der Ukraine schädlich ist, spricht für diese Kanzlerin. Den unruhestiftenden amerikanischen Einfluss im Nahen Osten hat sie offensichtlich nicht verhindern können.

Die Quittung steht nun in Gestalt von Flüchtlingen vor unserer Tür. In humaner Höhe entschied sich die deutsche Kanzlerin für Menschlichkeit. Sie wollte helfen und bedachte nicht, dass Menschlichkeit den Machtbesessenen Schwäche signalisiert.

Nun geschieht, was ich nach ihrer ersten Wahl, erwartete. Mit Hinweis auf unübersehbare Kosten wird sie von den Machtgierigen der eigenen Partei zum Abschuss freigegeben. Eine Kanzlerin mit menschlicher Größe passt nicht in ihr Weltbild. Was sie als Alternative vorschlagen, ist widerlich. Menschen, die um Ihr Leben laufen, sollen ausgesperrt werden. Sie wissen genau, dass es so nicht geht, aber die Gelegenheit ist günstig. Die Stammtischargumente werden von der PEGIDA geliefert, dafür sind diese Jagdtreiber gerade gut.

Wollen die Deutschen Kriegsflüchtlinge vor der Haustüre erfrieren lassen? Nein, nein, NEIN, das wollen wir nicht. Wir wollen, dass alle Politiker und auch andere Schwätzer die Ärmel hochkrempeln und ihre Arbeit machen, nämlich was die Mehrheit will:

Wir wollen, dass Kriegsflüchtlinge, die sich bei uns integrieren wollen, aufgenommen und versorgt werden. Sie sollen in echter Willkommenskultur, über das, was sie erwartet und von ihnen erwartet wird, informiert werden. Um dies zu schaffen, müssen unechte Kriegsflüchtlinge separiert werden, sodass auch die echten Flüchtlingszahlen erkennbar werden. Wer kein Asylrecht hat, muss in Vereinbarungen mit den Herkunftsländern zurückgeführt werden. Um dort auf humane Standards zu kommen, ist auch politischer Druck erlaubt.

Es geht um Menschenleben. Keiner kann von uns verlangen, dass wir Menschen sterben lassen, um Wirtschaftsflüchtlinge zu schonen. Wir wollen auch das Machtgezerfe nicht. Wir wollen Lösungen die uns nicht zu Unmenschen machen.
Und keiner soll erzählen, es sei finanziell nicht tragbar. Wenn die wenigen Reichen dieses Landes einige Jahre etwas langsamer noch reicher werden, kann das niemand schaden. Gewiss, es wird uns Mühe abverlangen. Gesetze müssen geändert, andere neu formuliert werden. Viel diplomatische Arbeit wird notwendig sein, um Frieden zu schaffen, die Fluchtursachen zu beseitigen.

Alle Flüchtlinge, auch die wieder in ihr befriedetes Heimatland zurück wollen, sollen am Integrationsprogramm teilnehmen. Die endgültige Entscheidung soll ihnen offenbleiben. 

Polizeiberichte die ausländische Herkunft der Straftäter verschweigen, sind eine unzulässige Entmündigung und versuchte Manipulation. Vor allem führen sie zu unheilsamen Spekulationen. Die Wahrheit muss unantastbar bleiben. Nur so kann man sie vor Missbrauch schützen. Nur so können wir unsere Verantwortung erkennen. Wir wissen alle, in jedem Land und jedem Volk gibt es Verbrecher, und wir wissen auch, dass seelische und materielle Not Straftaten begünstigen. In solchen Fällen ist allen mehr geholfen, wenn Hintergründe mit dargestellt werden. So können sich alle ein reales Bild dieser Welt schaffen und Verständnis entwickeln. Das zeigt uns Verantwortung auf, und wird auch den neu Angekommenen helfen, uns zu verstehen. Vor allem wird so der Hetzpropaganda ein gefährlicher Stachel genommen. Wer sieht, dass er manipuliert werden soll, fühlt sich verachtet und schlägt um sich.

Die unselige Situation im Nahen Osten ist leider auch durch Waffenlieferungen aus Deutschland verschärft worden. Waffen sind in solchen Ländern immer vagabundierendes Unheil.
Auch die ausgebliebene Hilfe für die dortigen Flüchtlingslager hat verzweifelte Menschen zum Aufbruch nach Europa gezwungen.

Nun kann nur noch Menschlichkeit helfen. Sie ist nicht Schwäche, sondern Stärke und muss der Leitfaden unseres Handelns sein.



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016
im September 2015

Willkommenskultur 

Politisch und religiös Verfolgte, Kriegsflüchtlinge, Hungernde, Entwurzelte und gesellschaftlich Ausgegrenzte stehen zu Hunderttausenden vor unserer Tür. In euphorischer Erwartung rufen sie nach Mutter Merkel und fordern Durchreise nach Deutschland oder ähnlich sozial gestrickten nordischen Ländern.

„Politisch Verfolgte genießen Asylrecht“, steht schlicht in unserem Grundgesetz. Nur weil in den islamischen Ländern Politik und Religion oft unheilvoll verquickt sind, können darunter auch religiös Verfolgte verstanden werden. Alle anderen sind auf Bleiberecht nach Ermessen angewiesen. Ihnen könnte Hilfe auch in ihren Heimatländern zugeführt werden, und das billiger und effektiver als bei uns. Allerdings müssen angesichts grausamer Verbrechen die Kriegsflüchtlinge aus dem Nahen Osten mit besonderer Zuwendung, die auch Bleiberecht oder Einwanderung bedeuten kann, behandelt werden.

Alles hat freilich seine Grenzen. Machen wir uns nicht vor, wir könnten alle Hungernden, Entwurzelten und Ausgegrenzten dieser Welt aufnehmen und mit unserem Lebensstandard ausstatten. Weil es zu viele sind, würden wir daran zugrunde gehen.

So werden wir also im Rahmen unserer Möglichkeiten die Flüchtenden willkommen heißen, aufnehmen und im ersten Schritt mit dem Lebensnotwendigen versorgen. Alle Helfenden, besonders die ehrenamtlich Engagierten verdienen Dank und Anerkennung. Sie leben die christliche Nächstenliebe und in dieser Rolle dürfen wir sie nicht im Regen stehen lassen. Da begegnen sich Christen und Muslime, ein Prozess der begrüßenswert ist, aber nicht farbenblind schwarz/weis gesehen werden darf, sondern auf beiden Seiten Toleranz abfordert.

Die ankommenden Muslime begegnen nicht nur der christlichen Nächstenliebe und Werten wie Toleranz, Säkularisierung und Demokratie, sondern auch dem weniger geschätzten Egoismus, der Engherzigkeit, Intoleranz und Ablehnung. Dies muss den Ankommenden begreifbar gemacht werden.

Viele Muslime wissen auch nicht, dass ihr Prophet hier und heute wegen Kriegshetze, Anstiftung zum Mord und Hasspredigten verurteilt und bestraft würde. Sie wissen nicht, dass unsere, in ihren Augen unzüchtig gekleideten, Frauen erwarten, respektiert zu werden und keine potentiellen Sexobjekte sind, dass körperliche Gewalt kein akzeptiertes Mittel ist. Wer sagt ihnen, dass unsere europäische Kultur, wie sie im Grundgesetz verankert ist, über der Scharia steht, grundsätzlich gilt und unantastbar bleibt? Wissen sie, dass eine stark islamisch geprägte Identität auf uns aggressiv wirkt und Misstrauen weckt. Haben sie gelernt andere Religionen zu tolerieren oder gar zu respektieren.

Es ist die selbstverständliche, christliche Nächstenliebe, mit der wir sie empfangen. Dafür dürfen wir von ihnen die Achtung unserer Kultur erwarten.

Angesichts der mangelhaften Eingliederung der türkischstämmigen Mitbürger sollten wir lernen. Deshalb darf unsere Willkommenskultur nicht im Erstaufnahmelager enden.

Indem wir die Ankommenden mit unseren legitimen Erwartungen vertraut machen, konditionieren wir sie auch für ein spannungsfreies Leben in unserer Gesellschaft. Auch das gehört zur Willkommenskultur.



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015
im Juni 2015

Die griechische Tragödie
Unter der Nr. 001 habe ich vor fünf Jahren zu diesem Thema geschrieben.

Nun bin ich selbst überrascht und entsetzt, wie recht ich damals mit meiner Einschätzung hatte. Es ist genau so gekommen, wie ich damals befürchtet habe. Die Griechen wurden zu Tode gespart. Die letzten Lebenszeichen haben sich vom Zwang der Befreier befreit und machen die Griechen nun zu den letzten Agierenden, während die Mitglieder der restlichen Europäischen Union wie ferngesteuert reagieren. Sind wir noch eine demokratische Gesellschaft?
Warum werden die Interessen der USA und Ihre Präsidentenflüsterer in diesem Spiel nicht sichtbar gemacht, wo sie doch ganz offensichtlich mitspielen. Es ist doch klar, dass die geostrategische Lage Griechenlands aus ihrer Sicht nur ihnen bekömmliche Lösungen zulassen. Wird Europa jemals wieder eine Politik eigener Interessen betreiben können.
Die Demokratie ist zum Krieg zwischen Interessengruppen verkommen. Die Meinung des Volkes wird manipuliert. Wo ist die sogenannte freie Presse, die hier als vierte Macht agiert und aufklärt? 



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014
im Januar 2015

ISLAMISIERUNG oder die RETTUNG DES ABENDLANDES 

Eine Diskussion, die eigentlich überflüssig ist.

Was wäre aus der Bergpredigt ohne Paulus geworden? Ein eindrucksvolles ethisches Manifest? Wäre auch die christliche Religion entstanden? Waren die Menschen damals bereit und in der Lage die Lehren der Bergpredigt ohne den Halt gebenden Schutz einer Religionsgemeinschaft umzusetzen? Nein! Sie sind es bis heute nicht. Als verschmähter Kern einer Religion musste sich die Lehre über die Zeit retten. Als Bedürfnis wurde sie freilich immer präsenter, im Ruf nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit unüberhörbar.

Religionszugehörigkeit ist indessen auch Identifikation mit einer Gemeinschaft. Die wurde von Mächtigen  immer missbraucht. Deshalb muss der moderne Mensch das Missbräuchliche seiner Identität aufgeben und mutig seine Verantwortung, seine Freiheit und neue Identität suchen.

Ja, es macht einsam, seine angewachsene Identität loszulassen, aber es bereichert auch, eine Neue zu erkennen. Im Hinterfragen, Verzichten und Wiederergreifen müssen Mensch und Religion in einen gestaltenden Prozess hinein finden.

Die Einheit der Religionen, die Hans Küng beschwört, ist auf diesem Weg erreichbar. In eigener Sicht und Verantwortung Werte finden und Glauben suchen wird zum Dienst an der Schöpfung.

Den Kirchen und organisierten Religionen bleibt es, in der Sorge für die Seele Werte zu formulieren und anzubieten. Im regen Austausch dürfen sie dabei auch miteinander in den Wettbewerb treten. Himmel und Hölle für sich in Anspruch nehmen und Andersgläubige verdammen, dürfen sie nicht. Das wäre Blasphemie.

Bis hierher habe ich den Begriff „Nächstenliebe“ vermieden, aber genau darum geht es.



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013
im Januar 2015

PEGIDA

Die neunzehn Forderungen der PEGIDA sind ein Sammelsurium von Selbstverständlichkeiten und Positionierungen die nach Akzeptanz heischen. Darunter sind zwei Forderungen gemischt, die auf den ersten Blick sympathisch scheinen mögen, bei deren Umsetzung aber die Gnadenlosigkeit des Selbstgerechten einnistet. Ich meine Punkt 9, ganz besonders Punkt 13. Die Tolerierung des Andersdenkenden setzt den Schutz der eigenen Kultur voraus und umgekehrt. Ohne diese Einsicht ist es die Forderung eines Spießbürgers.

Wir brauchen keine PEGIDA
Religionen laufen immer Gefahr, von Machtstrategen missbraucht zu werden.
Die Islamisierung des Abendlandes wird gerade von den Menschen als Gefahr erkannt, die das Christentum vergessen haben. Ist die Leere, die das vergessene Christentum hinterlassen hat, besser, als der hereindrängende Islam? Was bedroht sie?

Es ist das eigene innere Vakuum. Sie können der zur Schau getragenen Identität der Muslime die erlebte Identität als Christ oder auch Atheist nicht gegenüberstellen. Dabei entspricht das lebendige, sich weiter entwickelnde Christentum viel mehr der gängigen Vorstellung vom modernen Leben, als ein Islam, der sich in  vermeintlicher Buchstabentreue zum Koran in langen Röcken, Kopftuch oder gar Burka darstellt. Auch überhebliche Paschas und hasspredigende Imame haben in der westlichen Gesellschaft nichts verloren.

Den Muslimen in Westeuropa stellt sich hier eine Aufgabe, bei deren Erfüllung sie altbackene bremsende Religionsrechthaber getrost zur Seite stellen dürfen. So wie z. B. viele Katholiken in den letzten Jahrzehnten durch ihr Leben machtbesessene Irrlehrer ausgebremst haben.

Ja, ich rufe zum Ungehorsam auf, denn allein gültig sind die Lehren der Liebe bzw. der Bergpredigt. Die führen uns zu der Toleranz in der wir die Freiheit finden, zu glauben, was unserem inneren Wesen entspricht. Wenn wir diesen Glauben dann in einer Religion finden, umso besser.

Religionen, die sich von Machtstrategen missbrauchen lassen, verlieren ihre Berechtigung.



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012
im Dezember 2014

Zum Buch:
Die einzige Weltmacht
von Zbigniew Brzezinski

Dieses vielzitierte Buch ist 1997 erschienen. Schon beim Lesen des Vorwortes von Hans-Dietrich Genscher wird deutlich, wie sehr sich die Welt inzwischen verändert hat. Das Ende der Bipolarität des Kalten Krieges hat die USA in der Monopolarität vereinsamen lassen. Als einzig verbliebene Großmacht beanspruchen sie für sich, auch die einzigen Heilsbringer der Welt zu sein. Dies stellt Amerika im Einklang mit dem Autor gleich selbst infrage, weil die Rolle des Heilsbringers moralische und ethische Werte, vor allem Friedfertigkeit  voraussetzt. Die wurden nie wirklich in die Waagschale geworfen.

Aus dem Denken in Einflusssphären ist die westliche Welt nie herausgekommen. Der Westen hat die Härten des gewonnenen Wirtschaftskrieges ausgebaut und globalisiert. Sanktionen mit dem Ziel der globalen Marktbeherrschung sind die modernen Waffen. Der entfesselte Turbokapitalismus bestimmt das Denken und Handeln in der Politik.

Der eurasische Kontinent muss lt. Brzezinski unter Kontrolle gebracht werden. Als selbsternannte Heilsbringer der freien Welt im Kampf gegen das Böse vergaßen die USA Ethik und Moral und legten sich eine hochgezüchtete militärische Schlagkraft zu. Mit atemberaubender Geschwindigkeit und gegen gemachte Zusagen wurde die Nato nach Osten erweitert, das kollektive Sicherheitssystem NATO zum USA-dominierten Machtinstrument gewandelt. Lt. Brzezinski steht den USA nur ein enges Zeitfenster zur Erreichung ihrer Ziele zur Verfügung. Russland ist inzwischen von neuen Natomitgliedern eingekreist.

Der nächste Schritt ist der Griff nach der Ukraine. Nun steht die Konfrontation mit Russland an. Obwohl Russland, gerade Putin, mehrfach die Hand zum partnerschaftlichen Miteinander ausgestreckt hat, haben sich die USA und die willfährigen NATO-Staaten bis zur Konfrontation verweigert. Nicht Partnerschaft, sondern wirtschaftliche Unterwerfung ist das offensichtliche Ziel. Nichts anderes soll mit den Sanktionen gegen Russland erreicht werden.  

Eine weitere historische Veränderung vollzog sich in den USA selbst. Die einzige Weltmacht entfernte sich vom gängigen Verständnis einer Demokratie. Die weltpolitischen Themen werden von einem Club grauer Präsidentenflüsterer beherrscht. Wie bei den weltweiten Handelsverträgen TTIP etc. wird auch hier der Wille des Volkes ausgeschlossen. Es geht um Weltmärkte, Erpressbarkeit und globale Dominanz. 

Die weltweite Präsenz der USA liegt lt. Brzezinski im globalen Interesse. Er redet von der gegnerischen Macht auf dem eurasischen Kontinent. Der für sich selbst beanspruchten Rechtschaffenheit wird automatisch die "Verwerflichkeit des Anderen" gegenübergestellt. Die sollte schon immer Gewalt rechtfertigen. 

Eine bessere Welt ist aber bei der Verfolgung ihrer Ziele gewaltfrei.
74 % der Amerikaner wollen keine alleinige USA-Dominanz in der Welt. Wenn die USA trotzdem Unruhe stiften, um ihre Dominanz zu installieren, liegt dies im Interesse von grauen Präsidentenflüsterern, denen es um globale Marktmacht, Profite geht. Vor diesem Hintergrund müssen die Europäer auch die anstehenden Handelsverträge TTIP und CETA sehen.

Die wichtigste Frage:
Ist es erstrebenswert, dass ein Land wie die USA, d. h. ein kleiner Club grauer Herren weltweit bestimmen dürfen? Die Dominanz einer Profitsüchtigen „Elitegesellschaft“, die in den USA das Sagen hat, eliminiert die wahre Demokratie und führt zur Diktatur einer Interessengruppe. Deren einfältige Natur sieht in der kulturellen Vielfalt ihren natürlichen Gegner. Die Geschichte lehrt uns: je einfältiger die Kultur eines Volkes, umso leichter lässt es sich beherrschen. (Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.)

Wie bei den Menschen gibt es auch zwischen Ländern, Völkern, ethnischen Gruppen, Religionen u. a. Unterschiede in Bedürfnissen, Interessen und Begabungen. Im Rahmen der gültigen Ethik haben sie Anspruch auf Manifest in der Kultur ihrer Gesellschaft.

Kulturelle Vielfalt braucht echte Demokratie. Die Verantwortung des Individuums muss gehegt werden. Deshalb ist die tolerante, kontrovers argumentierende Demokratie ein Grundbedürfnis.

Zur Vielfalt gehören Irren und Korrigieren. So dient sie der gedeihlichen Schöpfung.

Um der globalen Diktatur eines kleinen, egoistisch geprägten Herrenclubs in den USA zu entgehen, brauchen wir Machtzentren die miteinander konkurrieren, in friedlichem Dialog stehen und partnerschaftlich miteinander umgehen. Die letzten Monate haben gezeigt, wie sehr die friedliche Entwicklung solcher Machtzentren durch einseitig vorgetragene aggressive Sprache gestört werden kann.

Unsere Wachsamkeit ist gefordert.



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011
im Dezember 2014

Anna Netrebko hat Grundrechte 

In seinem Artikel "Netrebkos Putin-Arie" im Feuilleton der Südwestpresse am 10.12. 2014 kann der Verfasser Jürgen Kanold nicht verstehen, dass die weltberühmte Sängerin sich mit dem ehemaligen Präsidentschaftskandidaten, von ihm so genannten "ostukrainischen Separatistenführer," Oleg Zarjow getroffen und eine Spende von 15000.- Euro für die Oper in Donezk übergeben hat. Sie mache laute Propaganda für Putin, schreibt er und wirft ihr Politisches Verhalten vor.

 
Da reibe ich mir die Augen. Was soll dieses Hetzwerk, frage ich und bin an das Buch „Gekaufte Journalisten“ von Udo Ulfkotte erinnert. Kann Kulturjournalist Jürgen Kanold der Kultur schaffenden Anna Netrebko politische Meinungsfreiheit abstreiten? Hat die weltberühmte Künstlerin kein Recht auf politische Gesinnung. Zumal sie aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Weltläufigkeit ganz gewiss Zugang  zu differenzierteren und neutraleren Nachrichten hat, als uns die westliche gleichgeschaltete Presse anbietet. Erwartet Herr Kanold, dass die begeisterten Fans dieser brillanten Sängerin genau so intolerant begegnen wie er selbst? Ja, das will er offensichtlich erreichen.

Es ist heutzutage gewiss schwierig, sich ein objektives Bild von der politischen und militärischen Situation in der Ukraine zu machen. Sicher ist nur, dass nach Strich und Faden gelogen wird. Vielleicht sollten  wir deshalb auf die Bequemlichkeit einer gleichgeschalteten Presse verzichten und uns nach differenzierenden Nachrichten umschauen. Dies würde auch Herrn Kanold helfen.



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010
im November 2014

Zur deutsch-russischen Partnerschaft in Tübingen


Im Schwäbischen Tagblatt beklagt Sepp Wais am 15.11.2014, dass das Trennende der Großen Politik bei einer Veranstaltung unerwähnt blieb.
Ja, die Initiative der West-Ostgesellschaft und die Städtepartnerschaft mit Petrosawodsk muss dankbar und lobend in den Vordergrundgestellt werden. Der Westernheld aus Amerika (Reagan: "Das Reich des Bösen") und die altersgrauen Imperatoren der Sowjetunion sind zwar überwunden, aber der Frieden nicht gesichert. Die Regierungen des Westens sind eben nicht nur die Guten, so wenig, wie die im Osten nur die Bösen sind.
Politiker lügen und täuschen, aber immer weniger Menschen glauben ihnen. Man kann es Politikverdrossenheit nennen, was nicht befriedigt. Es genügt auch nicht einfach nur Links zu wählen und zu hoffen,dass ein kleines, als weltfremd verunglimpftes Häuflein von „verachtenswerten Gutmenschen“ die Kastanien aus dem Feuer holt. Der Kampf um den Frieden beginnt mit den Fragen: Wer profitiert an eskalierenden Kampfhandlungen, wer strebt nach den Rohstoffen dieser Welt, um globale Macht zu erlangen. Wer solche Zieleverfolgt, scheut keinen Betrug, wenn es darum geht, friedfertige Menschen für einen Krieg weichzuklopfen. Denken wir nur an die kuwaitische Diplomatentochter, die als angebliche Krankenschwester von mordenden irakischen Soldaten in der Kinderklinik berichtet hat.
Die Medien lassen sich hier zu Handlangern machen.
Deshalb will ich Sepp Wais loben, wenn er „das Trennende, das von der großen Politik ausgeht“ als unerwähnt beklagt.



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009
im September 2014

Humanität gegen Ausbeuter


Nun werden wir also Waffen in den Nahen Osten liefern, haben wir ja auch immer getan. Frau Merkel will verhindern, dass sie in anderen Unruhegebieten verwildern. Solche Versprechungen beruhigen mich nicht. Erfahrungen sprechen dagegen. Ich kann sie nicht ernst nehmen.

Erstaunt hat mich, wie schnell im Für und Wider von  interessierter Seite die Arbeitsplätze ins Spiel gebracht wurden. Das war dann wohl auch den Politikern peinlich. So haben sie dieses Argument als unzulässig gestrichen. Immerhin!

Die Welt ist damit nicht gerettet, die wahren Ursachen der bewaffneten Auseinandersetzungen nicht genannt.

Haben denn die so tüchtigen Geheimdienste nicht bemerkt, wie intolerant sich Sunniten und Schiiten gegenüber stehen, wie sich die IS-Kämpfer in den arabischen Staaten formiert haben und wie religiöse Identität wieder einmal von Machtstrategen in ihrem grausamen Spiel missbraucht wird?
Hätte man da nicht rechtzeitig entgegenwirken müssen? Wäre es nicht besser gewesen, das irakische Unrechtssystem rechtzeitig auf den humanen Weg zu zwingen, und so den IS-Kämpfern den Boden zu entziehen?

Hat niemand bemerkt, wie die russische Regierung durch ständige Übertretung bestehender Verträge von der Nato gedemütigt und provoziert wurde. Hat auch niemand geahnt, dass Putin diesem Treiben bei passender Gelegenheit  entgegentreten wird. 

Der Westen hat provoziert und zugesehen, wie sich all dies entwickelte, zugelassen wie interessierte Macht-u. Gewaltstrategen uns an den Rand der Kriege geführt haben. Wir haben zugelassen, wie uns die Waffenlieferungen dreist als alternativlose Lösungen vor Augen gebracht wurden.

Wollen wir diesen Weg weiter gehen?

Friedliebende Menschen dieser Welt, vereinigt euch!

Es sind global agierende Kräfte, die an unseren Katastrophen verdienen. Ihnen geht es um Märkte und Abhängigkeiten, die ihnen letztlich Ausbeutung der Massen ermöglichen. Ihnen müssen wir die Autorität der humane Werte gegenüber stellen, sie beschämen und deutlich machen, dass wir Sie durch unsere Wachsamkeit mit den Mitteln der Demokratie unschädlich machen werden auf allen Seiten der Fronten. 

Wenn uns das heute nicht gelingt, wird es uns, durch Leiden geläutert und gestählt, morgen gelingen.



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008
im Dezember 2013

Verhinderte Energiewende

Sepp Wais hat im Schwäbischen Tagblatt vom 15.12. ein präzises Bild der Situation gezeichnet. Während die Politiker ihre wahren Ziele (wer hat ihnen die nur vorgegeben?) verschweigen, wird das Volk mit horrenden Energiepreisen für die neue Rolle rückwärts aus der Energiewende weichgeklopft. Wir haben hier das klassische Beispiel dafür, wie Politiker die Menschen hintergehen, und die Interessen der Lobbyisten vorziehen.

Natürlich ist es für Energiekonzerne beschämend, wenn kleine, regional ansässige Versorger zeigen, dass sie es besser können. Also muss dies verhindert werden. Mehr Innovation, anstatt brachiale Einflussnahme auf die Politik, wäre angesagt gewesen. Nun werden immer mehr Industrieverbraucher auf Kosten der privaten Verbraucher begünstigt.

Während für Atom- und Kohle-Energie massige Subventionen aus Steuermitteln aufgebracht wurden und werden, soll die Innovation für die erneuerbaren Energien allein von den privaten Verbrauchern getragen werden.



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007
im November 2013

Nach der Wahl 2013


Das Ergebnis dieser Wahl spiegelt die Parteien in ihrer Unzulänglichkeit, die nie so deutlich sichtbar war. CDU und die abgegangene FDP haben sich schon im Wahlkampf mit unerträglichem Lagerdenken von der Verantwortung für das Ganze verabschiedet. Die Kleinere von ihnen hat in ihren letzten Zuckungen das "Bürgerliche Lager im Kampf gegen den Sozialismus" bis zum Ekel beschworen.

Wie sehr der Wähler zum Klassendenken mit seiner Zerrissenheit geführt wird, zeigt die Analyse des Wahlergebnisses: Im Parlament hat das linke Lager (SPD, GRÜNE und LINKE) eine knappe Mehrheit bekommen, während die Wählerstimmen dem bürgerlichen Lager (CDU, FDP und AfD) eine knappe Mehrheit zugeführt haben. Damit zu argumentieren ist allerdings nicht zulässig, weil die Partei der Nichtwähler durchaus eine politische Meinung hat und mit dieser außen vor geblieben ist.

Diese Situation ist die Folge des mangelnden Respektes der großen Parteien vor den Kleinen. Dass die SPD gerade die LINKEN immer wieder an den Schandpfahl zu stellen versucht, kann nicht mehr lange gut gehen und hat möglicherweise ein suizidales Ergebnis.

Nun wird also eine große Koalition favorisiert. Da will ich nur hoffen, dass sich die SPD nicht wieder als krallenlosen Tanzbär vorführen lässt, wie beim letzten Mal.



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006
im September 2013

Wahlkampf zur Bundestagswahl 2013

Die meisten Bundestagskandidaten zeigen bei jeder Gelegenheit, wie gut sie ihren Vordenkern in Berlin nachplappern können. Über Vorgedachtes nachzudenken ist nicht zeitgemäß.

Die Christlichen sind nur noch der Macht verpflichtet. So wie Frau Merkel bei der Energiewende die Grünen auf deren eigener Spur und mit bekanntem Ergebnis überholt hat, wird sie auch die Linken auf der linken Spur überholen, wenn es dem Machterhalt dient. Was dabei herauskommt – siehe Energiewende! Wahrhaftigkeit ist gefragt.

Mit suggestiven Worthülsen werden von schwarz/gelb die Steuerpläne der Grünen dargestellt, als ob sie dem Durchschnittsverdiener ans Leder wollten.
Die Linken werden von vorne herein, (sogar von der SPD) als indiskutabel verschmäht. Die Gelben zeigen sich immer deutlicher als Interessengruppe, die als politische Partei keine Berechtigung mehr nachweisen kann.

So steht der Wähler vor der Einsicht, dass er nicht der Souverän ist, der Kandidaten wählt, sondern der Ausgelieferte, der das Parteiprogramm wählen darf, dem er untergeordnet sein wird. Dem sollten wir uns stellen und unabhängig von Kandidaten die Parteiprogramme wählen.

Ich habe den Wahl-O-Mat gefragt. Das Ergebnis war verblüffend. Linke und Grüne liegen mit 75% Übereinstimmung an der Spitze, Danach kommt die SPD mit 65% und mit 46% die CDU.  


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005
im September 2013

Auf Sicht gefahren
 

Wenn ein Projekt nicht planbar ist oder der Plan nichts taugt, fährt man auf Sicht. Dasselbe gilt auch, wenn der Plan aus ethischen Gründen den Menschen nicht mehr dargestellt werden kann oder die Bürger hinters Licht geführt werden sollen. Kollateralschäden sind nicht immer auszuschließen. So hat z. B. der frühere Bahnchef Mehdorn sein Börsenprojekt mit nicht mehr planbaren Sparmaßnahmen durchgezogen, die zu Achsenbrüchen und untauglichen Klimaanlagen führten. Auch das ist „auf Sicht fahren.“ Man darf vermuten, dass die aufgedröselte Inbetriebnahme des Berliner Flughafens demselben Prinzip folgt.

Auch unsere Kanzlerin fährt auf Sicht, bei der Eurorettung nach eigenem Bekenntnis. Die Griechen und andere sollen zu Sparmaßnahmen gezwungen werden, und die Bundesbürger nicht erfahren, was es kostet. Die Frage ist nur, ob Griechen und Deutsche nicht auch durch Argumente zu der richtigen Einsicht geführt werden können. Dies setzte allerdings voraus, dass man sie auch als Einsichtsfähige achtet.

So wie die Kanzlerin nach Fukushima die Grünen auf deren eigener Spur überholen wollte und dabei deren Planung über Bord warf, dürfen wir annehmen, dass bei einem guten Wahlergebnis der Linken, diese von der Kanzlerin links überholt werden, wenigstens verbal. Um die Ziele zu lokalisieren, verweise ich auf Ergebnisse der Energiewende. Die wird verhindert indem zwar Wälder von Windräder subventioniert, die zugehörigen Stromtrassen aber vergessen werden. 

Ich erwarte von den Parteien, dass sie die Menschen achten und ihnen nicht ausschließlich egoistische Interessen unterstellen. Auch so könnten Politiker ihr Ansehen aufmöbeln.


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004
im August 2013

Zur Datenabschöpfung durch Geheimdienste


Es ist mir egal ob irgendein Geheimdienst weiß, wann ich zum letzten Mal
beim Zahnarzt gewesen bin. Wer solche Daten speichert, soll er daran
ersticken.

Anderes ist es, wenn Daten von Entscheidungsträgern z.B.
Abgeordneten, Staatssekretären, Ministern oder Wirtschaftsbossen
gestohlen werden. Solche Menschen erpressbar zu machen, wird allzu oft
von skrupellosen Interessengruppen aber auch Politikern angestrebt. Wenn
z.B. ein erpresster Staatssekretär einem Paragraphen des Handelsvertrag
mit den USA zustimmt (ein solcher soll jetzt ausgehandelt werden), in dem
nach bewährtem Muster z.B. die Interessen von Monsanto eingebaut sind,
dann schadet dies unserem Land. Diese Gefahr müsste auch unsere
Bundesregierung bemerkelt haben.

Wenn also die Spionageaffäre verharmlost wird, ist dies ein Merkmal des Wahlkampfes. Wir dürfen aber nicht zulassen, dass nun alles vermerkelt wird.


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003
im Juli 2013

Eine Sprachnische für EHE, FEHE, MEHE
 

Die Ehe beschreibt das Lebensbündnis zwischen Frau und Mann. „Zur
Gründung einer Familie“, war bis vor wenigen Jahren der
selbstverständliche Kontext. Aus gutem Grund ist an diese Stelle „die
Verantwortung von Menschen füreinander“ getreten.

Weil nicht alle Menschen heterosexuell veranlagt sind, wurde folgerichtig
eine Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zugelassen, was nun zuweilen
sprachliche Probleme bereitet. „Homo-Ehe zwischen zwei Frauen“ ist
nicht abwegig genug, um doch immer wieder vorgefunden zu werden.
Man könnte darüber lächeln, keimte nicht der Verdacht, dass in
solchen Umschreibungen auch sittlich/moralische Vorbehalte Ausdruck
finden.

Andererseits ist „die Ehe“ der selbstverständliche Begriff für die
Bindung zwischen Mann und Frau. Als solcher hat er sich bewährt
und bestätigt.
Umschreibungen jeglicher Art sind ein Angriff auf diese
Selbstverständlichkeit.

Die Einsicht, dass die angeborene Sexualität unveräußerlich und
Menschenrecht ist, könnte zur der Gelassenheit führen, die unserer
Phantasie erlaubt kreativ zu sein. So kann ich mir vorstellen, dass
„Mehe“ bei Männern und „Fehe“ bei Frauen präzisierende und
durchaus akzeptable Begriffe für ein Bündnis zwischen zwei Menschen
sind. Durch die Nähe zum Begriff „Ehe“ scheinen sie auch dafür
konditioniert, Selbstverständlichkeit zu vermitteln. 


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002
im April 2012

Israel und die Privilegien des Günter Grass


Es ist einfach nur peinlich wenn dem 85-jährigen  Günter Grass die Mitgliedschaft  des 17-jährigen in der Waffen-SS vorgehalten wird.

Der Eifer des Helmut Karasek hinterlässt eine Spur, auf die ich wegen Unfallgefahr nicht treten will. Reich-Ranicki hat das Recht ekelhaft zu finden, was ihm nicht in den Kram passt. In mehr Bescheidenheit würde auch er zur Sachlichkeit finden.

Ja! Israel ist ein bedrohtes Land und hat nicht nur wegen der deutschen Vergangenheit unsere Solidarität verdient. Seine Bedrohung wird aber durch die Reden eines Maulhelden keineswegs schlimmer. Angesichts der Kräfteverhältnisse im Nahen Osten wird es keiner wagen dieses Land anzugreifen, weil es dem Selbstmord gleichkäme. Warum der israelische Regierungschef gerade in dieser Zeit das Recht auf einen Erstschlag für sich reklamiert, lässt Spekulationen zu, die in der Weltpolitik eingeordnet werden müssen. Friedensfördernd ist das genau so wenig wie Unterseeboote.

Die deutsche Vergangenheit verpflichtet uns. Die NS-Schuld kann aber nicht gelöscht werden indem wir 17-jährige an den Pranger stellen und  selbstverleugnend zu Philosemiten werden. Gerade dadurch werden ja wieder antisemitische Kräfte bedient. 

Wir haben die verdammte Plicht für Frieden einzustehen und das ist auch unser Privileg. Wer will das Günter Grass verwehren.


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001
im Frühjahr 2010

STEUERHOHEIT FÜR DIE BANKEN?

Die griechische Tragödie
 
Das läuft wieder in unser bedürftiges deutsches Selbstbewusstsein. Sind
wir nicht tüchtiger und fleißiger und vor allen Dingen nicht so korrupt wie
die Hellenen. Und wenn die unsere Hilfe wollen, dann sollen sie kuschen,
ist das ungerecht?

Diese Haltung reduziert das Problem auf ein bequemes, aber unzulässiges
Maß. Die Griechen sind ebenso fleißig und nicht weniger tüchtig als wir. Sie
als korrupt zu bezeichnen ist schlicht und einfach unrecht. Was in
Griechenland sichtbar wird, ist die maßlose Gier der Reichen und das
korrupte System, dessen sie sich bedienen, das sie zugelassen, gefördert
und installiert haben um es zu benutzen. Die griechische Regierung hat
gelogen, um in die Währungsunion aufgenommen zu werden. Das war den
europäischen Regierungen von Anfang an bekannt. Dass sie ihre
Staatsbilanzen gefälscht haben, war für  Fachleute offensichtlich. Was
können wir also dem kleinen Mann in Griechenland vorwerfen? 

Was können wir den Griechen vorwerfen, das wir nicht auch uns selbst
vorwerfen müssten. Wird bei uns nicht getäuscht und gelogen, umverteilt
auf immer unverschämtere Weise.

Kann es nicht sein, dass Griechenland das Anschauungsbeispiel für den
Zustand unseres eigenen Staates in ein paar Jahren ist, falls wir den
Korrupten und Gierigen nicht die rote Ampel zeigen. Die Korruption hat in
Griechenland zur ungerechten Verteilung geführt. Dabei ist der Staat, für
den ja vor allem die kleinen Leute gerade stehen müssen, in die
hoffnunngslose Schuldenkrise gestolpert.

Die Bundesrepublik hat Schulden in Höhe von knapp zwei Billionen Euro. Dem steht ein Privatvermögen von mehr als sieben Billionen gegenüber. Was ist also anderes geschehen, als dass die erwirtschafteten Werte zu Gunsten der Gierigen falsch bewertet und verteilt wurden. Und das Spiel geht weiter. Die Vermehrung des Geldes hat sich von der  Schaffung realer Werte um Lichtjahre entfernt. Durch Spekulationen und Manipulationen verschaffen sich die Reichen Schuldscheine (Geld), für die der Werteschaffende arbeitende Mensch einstehen muss. Dieses Geld ist Macht, die nichts anderes will, als Macht vermehren.

Anstatt mit Aufbau zu helfen wird Griechenland zu Tode gespart. Sie sollen
verkaufen was sie besitzen, und auf diesen Ausverkauf freuen sich die
Gierigen schon.

Griechenland ist kein Privatunternehmen sondern ein Staat der EU. Es war
und bleibt ein Irrsinn, dass ein Staat von Privatbanken Kredite zu hohen
Zinsen bekommt, welche nun die Steuerzahler Europas bezahlen müssen.
So wird den Geldinstituten de facto das Recht eingeräumt, Steuern zu
erheben. Steuern, deren Höhe sie mit ihrem Zins selbstbestimmen können.
Die Rating-Agenturen schwingen den Taktstock und ducken vor der
Verantwortung  mit dem Hinweis: Wir haben doch nur eine
Wahrscheinlichkeit prognostiziert.

Finanzielle Hilfen für EU-Staaten dürfen deshalb nur über die Europäische
Zentralbank laufen. Geld, welches den Geldinstituten zur Tilgung von
Darlehen zufließt, hilft dem griechischen Volk gar nichts. Griechenland
braucht zweckgebundene Gelder zur Schaffung von Infrastruktur und
Investitionsgelder, die sie in die Lage versetzen, griechische Produkte und
Dienstleistungen  zu verkaufen. Durch Bindung an den Zweck werden die
korrupten Kräfte entmachtet. Nur so können die Hilfsgelder auch vor dem
europäischen Steuerzahler gerechtfertigt werden.

Natürlich muss Griechenland auch eine innere Struktur schaffen, mit deren
Hilfe die Steuerbetrüger und andere Nutznießer der Korruption an die Leine
genommen werden können. Mit falsch angesetzten Hilfen werden aber
gerade die negativen Kräfte unterstützt.


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STUTTGART 21
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Eigentlich müsste ich meine Ansichten zu Stuttgart 21 wieder heraus nehmen. Zumal ja die Entscheidung gefallen ist. In den ersten Baumaßnahmen wird nun aber immer mehr auch deutlich werden, wo und wie die Befürworter getäuscht und getrickst haben. Wir sollten es aufmerksam verfolgen um daraus zu lernen. Grundwasser, Trassenführung, Flughafenanbindung und Kapazität des Untergrundbahnhofes werden uns weiter beschäftigen.

Im Oktober 2014


Am 13. Dezember 2012
Noch einmal Stuttgart 21


Was gilt eine Beschluss, der unter falschen (gefälschten?) Prämissen
zustande kam, was eine Volksabstimmung? Wie viel Energie wurde
verschwendet, um die Bürger hinters Licht zu führen? Wenn ein Jahr nach
der Volksabstimmung der Kostenrahmen um mehr als eine Milliarde über
den garantierten Kostenrahmen hinaus schießt, wo wird das „best-
geplante“ Projekt dann landen?
CDU-Strategen haben Parteisoldaten über die Dörfer geschickt, um ihren
Gläubigen Wahrheit zu verkünden. „Nun sollen die Anderen (der Bund)
auch einmal für uns (das Land Baden-Württemberg) bezahlen“, war wohl
das primitivste Argument ihrer Missionierung. SPD- Spitzenpolitiker sahen
den Segen Gottes auf diesem Projekt, welch ein Missbrauch des
Allerhöchsten.
Die Verantwortlichen sind nicht zu beneiden. Wie weit gilt der Volksentscheid, bis fünf, sechs oder gar zehn Milliarden? Werden die am Ende ausreichen? Die Grünen sollten mit Verzicht auf rechthaberischen Triumph die Beteiligten zu ehrlicher Sachlichkeit zwingen. Ob die sich aber zwingen lassen? Wir alle haben noch viel zu lernen. 

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Ansichten zu Stuttgart 21

Es geht nicht nur um das Für und Wider zu Stuttgart 21. In dieser
Auseinandersetzung wird die mangelhafte Streitkultur unserer Gesellschaft
ebenso deutlich wie die Berührungslosigkeit zwischen Bürger und Politiker.

Hasstriefende Leserbriefe sind die logische Fortsetzung der
Verunglimpfungen mit denen sich die Politiker entwürdigen. Dass sie sich
dabei selbst schaden, scheint ihnen verborgen zu sein. Schlagende
Argumente überzeugen nicht, sie schlagen. Sie machen Angst und Angst
schürt Hass. Da kann man nur begrüßen, dass die Demonstranten nach
dem 30. September ihre Angst überwunden haben und weiter friedlich
demonstrieren. Sie werden aber nur schwer davon zu überzeugen sein,
dass die Landesregierung nicht die Absicht hatte, sie samt ihren
Argumenten mit der Wasserkanone wegzuspritzen. Die Berichte von
Augenzeugen sind nun einmal glaubhafter, als die bereits widerlegten
Diskriminierungs/Rechtfertigungsversuche durch Mappus, Rech und Grube.

Tatsache ist: Normale Polizei wurde vor Beginn der Ausschreitungen durch die mit Schild und Helm bewehrte Einsatzkräfte ersetzt. Das geschieht nicht ohne Anweisung von Oben. Wenn, wie behauptet wird, tatsächlich ein paar Provokateure da waren, warum hat man dann friedliche Menschen geknüppelt? Wo bleiben dann die fälligen Verhaftungen dieser Provokateure,  die offenbar nur von abwesenden Politstrategen gesichtet wurden? Die Glaubwürdigkeit dieser Herren leidet an ihren unwahren Anschuldigungen.

Die schlagartig gewachsene Zahl der Demonstranten lässt annehmen, dass es ihnen nun eben nicht mehr nur um Stuttgart 21 geht. Es ist die natürliche Reaktion auf die Vorkommnisse vom 30 September und den Lügen vom 1. Oktober. Das wollen sich die Bürger nicht mehr gefallen lassen. Stuttgart 21 ist zur Meßlatte für die Würdigung der Bürger durch ihre Regierung und damit Mappus zum Malus geworden. Wer eine sachliche Auseinandersetzung um Stuttgart 21 haben will, muss sich von diesem Malus trennen.

Ob Stuttgart 21 sinnvoll oder Unfug ist, soll nun durch die
Schlichtungsgespräche beleuchtet werden. Gebetsmühlenartige Hinweise
der Landesregierung und Bahn auf die rechtmäßige Entscheidungsfindung
gehen an der heutigen Realität vorbei. Politiker, die sich auf alternativlose
Lösungen berufen, führen sich ad absurdum. Wenn es keine Alternativen
mehr gibt, brauchen wir auch keine Politiker mehr. Dann kann man gleich
die Strippenzieher von „Raff und Gier“ entscheiden lassen.

Ob Heiner Geißler durch die Nebelkerzen zur Klarsicht führen kann,
bleibt offen. Es kann ihm nur gelingen, wenn sachlicher Austausch von
Argumenten und ihre nüchterne Würdigung als einzig legale Mittel der
Auseinandersetzung eingesetzt werden. Überzeugende Argumente
entwürdigen nicht.
Wenn dann keine einhellige Beurteilung möglich ist. Muss der Bürger
entscheiden.
Niemand sonst! 

Nachtrag am 29. Oktober 2010
Nach einer Meldung der Südwestpresse vom 28. 10. ist der Polizeichef von
Stuttgart einen Tag vor der Knüpplei am 30.9. in die Staatskanzlei
eingeladen (zitiert!) worden. Auch Mappus und Schuster waren anwesend.
Mappus behauptet das operative Vorgehen der Polizei nicht beeinflusst zu
haben. Hat er auch keine Ziele vorgegeben? Welchen Einfluss hat Schuster
genommen? Haben die etwa den Rosenkranz gebetet?

Anmerkung zu den Schlichtungsgesprächen:
Die ersten beiden Schlichtungstage zeigen, dass die Gegner des Projektes
ihre Meinung unerwartet sachlich vertreten und auch die richtigen Fragen
stellen. Die werden vom Bahnvorstand Kefer sachlich und sicher auch nach
bestem Wissen beantwortet, sofern sie dem Projekt nicht schaden. Andere
Fragen bleiben unbeantwortet, z.B. wenn er die Souveränität des
Verwaltungsgerichtes nicht kommentieren will oder vertröstet, weil die von
der Bahn vorgelegten Pläne, den kritischen Fragen nicht standhalten und 
als unverbindlich beispielhaft heruntergeredet werden.
Die Politiker der Landesregierung spielen eher eine klägliche Rolle.
Wirtschaftsminister Pfister laboriert in Zahlenspielen, die vom gewieften
Boris Palmer als unwichtig entlarft werden. Der Auftritt der Ministerin Gönner ist beschämend. Sie erklärt peinliche Themen als irrelevant und wirft eine Nebelkerze nach der anderen. 
Auf die nächste Runde darf man gespannt sein.

Nachtrag am 14. November 2010
In der vierten Schlichtungsrunde haben sich die S21-Gegner beeindruckend
als K21-Befürworter vorgestellt. Ihre Darlegung war überzeugend und ging
weit über das Erwartete hinaus. Weil sie beispielhaft ins Detail geht, ist sie
respektabel und lässt doch Spielräume für Variationen. Gegen die
Leistungsfähigkeit des Kopfbahnhofes kann nun mit dem achtgleisigen
Tunnelbahnhof nicht mehr argumentiert werden. Hier stelle ich die Frage, ob die S21-Planer zwei zusätzlich notwendige Gleise weggeplant haben, um die Kostensituation zu schönen. So wie sie zu Beginn der Schlichtungsrunden ihre Lösung dargestellt haben kann es ja nicht gehen, weil die Züge vor Allem dem Bedarf in den Abend- und Morgenstunden angepasst, also nicht gleichmäßig über den ganzen Tag verteilt, verkehren müssen.  
Die betretenen Gesichter der S21-Befürworter sprachen Bände. Der sonst
so sachliche Herr Kefer will erkennen, dass Details der K21-Lösung schon
vor Jahren geprüft und verworfen worden seien, sagt aber nicht warum.
Im Übrigen würde die K21-Lösung viel mehr Bauzeit in Anspruch nehmen,
sagt er, was von der Gegenseite mühelos widerlegt wurde. Andere verbissen sich wie blinde Terrier in unwichtigen Details. Kurz gesagt: Die
S21-Befürworter kamen ins schleudern. 

Heiner Geißler leitete die Runde mit bewundernswerter Souveränität. Es ist allerdings zu befürchten, dass er gegen Ende der Gespräche von den Leuten, denen die Argumente schwächeln, persönlich angegriffen wird.

Nachtrag am 1. Dezember 2010
Nach der Schlichtung:
Die Schlichtung war ein Gewinn für die Demokratie, der Schlichterspruch war es nicht. Das konnte er unabhängig vom Ergebnis auch nicht sein, weil
praktizierte Demokratie vor allem die Entscheidungsfindung, nicht sein
Ergebnis meint. Diese Schlichtung hat uns vor Augen geführt, wie sehr die
politische Argumentation von der sachlichen abfällt. So, wenn exponierte
Politiker den überzeugenden Darstellung von Boris Palmer das völlig
irrelevante Votum des Tübinger Stadtrates entgegenhalten oder wenn
Volker Kefer aus seinem Fachwissen heraus überzeugt und plötzlich unsicher wird, wenn er sich zum Taktieren gezwungen sieht.
Der Würfel ist mit dem Schlichterspruch nicht gefallen, sondern auf der Kante stehen geblieben. Heiner Geißler konnte den Kopfbahnhof nicht
befürworten, weil in dieser Richtung keine konkreten Planungen vorliegen
und den Tunnelbahnhof nicht, weil er nur mangelhaft geplant ist. Man darf
gespannt sein, wie die Bahn den selbst gegebenen Kostenrahmen unter den Auflagen des Schlichters einhalten will. Nachdem ihre Vertreter bereits am Abend der Schlichtung versucht haben, mit den Begriffen Leistungsfähigkeit und Kapazität zu tricksen, darf man gespannt sein, welche Zauberkästen als nächstes dran sind. Es ist Aufgabe des Bürgers, in diesem Theater präsent zu sein und den Tricksern auf die Finger zu klopfen.
Erwartungsgemäß hat sich der Malus mit den Wasserkanonen als lernunfähig dargestellt. Während die Vertreter der Bahn vor ihre Entscheidung zum Weiterbauen eine Bedenkzeit eingebaut haben, findet der Ministerpräsident keinen Anlass zum Nachdenken. Für die Bürgerbewegung bleibt noch viel
Arbeit.

Die Bürger von Baden-Würtemberg haben entschieden, dass der
Untergrundbahnhof gebaut werden soll. Ich halte diese Entscheidung für falsch. Um den Bau zu verhindern würde ich manches geben, allerdings nicht die demokratischen Rechte der Bürger. Es ist Unfug, von den grünen Politikern in der Landesregierung zu verlangen, dass sie den Bau jetzt noch verhindern. So wie die Bürger von ihren Politikern erwarten, dass sie aus ihren Fehlern lernen, muss nun der Bürger aus seinen Fehlern lernen und zahlen.





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* SPIEGELUNG


Du bist schlecht,
sprach der Gute
zu dem Schwachen.
Der erschrak,
und der Gute
musste lachen.

Du bist stark,
sprach der Schwache
zu dem Guten.
Der wurde mächtig,
und der Schwache
musste bluten.


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*AUSGEGRENZTE DENMOKRATIE

In der Demokratie werden Politiker vom Volk gewählt, damit sie entscheiden,
wie sie es vor der Wahl versprochen haben. In unserer komplizierten Welt brauchen die Gewählten Informationen, Entscheidungshilfen, die einer alleine nicht mehr schaffen kann. Deshalb finden sich die Politiker in Parteien, die Informationen, natürlich auch Interessen in einem Programm integrieren und sich damit zur Wahl stellen.
So weit, so Theorie.
In der Praxis ist es so, dass Interessengruppen ihre Parteien haben. Den Egoismus vernebeln sie mit populistischen Phrasen und Verunglimpfung des politischen Gegners. Gesamtverantwortlichkeit, wie sie die Parteien der Mitte auf ihre Fahnen schreiben, leidet unter machtlüsternen Politikern, die egoistischer Suchtbefriedigung erliegen. Zugeständnisse der bequemen Art kommen hinzu. Macht und Verantwortung entfernen sich voneinander. Hier verkommt die Politik zum Verteilungskampf. Wer es bezweifelt, sehe sich den Verlauf der Einkommensentwicklung in den letzten zwanzig Jahren an. Der ungewürdigte Wähler wehrt sich gegen die offenkundige Ungerechtigkeit mit dem einzigen Mittel, das ihm legalerweise zugestanden ist: Er wählt Links und hofft, dass die Parteien in seinem Sinne eine Regierung bilden, mit einem Programm, das auch seine Interessen vertritt und dies in der Wertigkeit der abgegebenen Stimmen.
Was machen nun die Machtlüsternen? Sie grenzen den linken politischen Gegner aus, indem sie ihn, damit seine Wähler entwürdigen. Sie machen die Ausgrenzung zum politischen Programm und hoffen so den Wähler, der ja nicht ausgegerenzt sein will, zu beeinflussen.
Das ist unlauter, brutales Überfahren mittels populistischer Gewalt. Haben die Täter keine Angst, dass sie Gegengewalt legalisieren könnten? 

Nachtrag am 5. Juni 2010
Bei der Bewältigung der Finanzkrise sind die Politiker dazu übergegangen,
alternativlose Lösungen zu kreieren. Selbstverständlich sind diese
Alternativlosigkeiten nicht alternativlos. Die Politiker haben sich als Hörige
von den Finanzmächtigen in ihre Lage zwingen lassen und schaffen es
nicht, sich aus ihrer Befangenheit zu befreien. 
In ihrer Alternativlosigkeit werden sie nun ad absurdum geführt und merken es nicht einmal. Wer braucht für alternativlose Lösungen noch Politiker?

Ich habe da noch eine Frage: Wo bleibt nun die Demokratie?

Meine Alternative:

ALLE MACHT DEM VOLKE, KEINE MACHT DEN GIERIGEN.
Dazu müssten die Politiker nur entsprechende Gesetze machen und sich in
den Dienst des Volkes stellen.
Natürlich werden dann die Gierigen lauthals ihre "Freiheit" in Gefahr sehen.

Wo bleibt die Freiheit des Bürgers, wenn die Politiker keine
Alternativen sehen?

HILFE! 
POLITIKER ALLER LÄNDER RETTET DIE FREIHEIT!

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*GLOBALISIERUNG (eine Ballade)

Als die Sonne über die Erde kam,
das Land in Wärme zu tränken,
einen Morgen zu schenken
dem ungeborenen Tag,
streifte das Licht den Gipfel des Berges
und wurde zerrissen am scharfen Grat.

Der Mensch stand im Schatten,
erblickte das Licht,
quälte sich es zu erreichen.
Doch wie er sich mühte,
sah er es entweichen
in fernere Höhen,
wo Fülle und Pracht
in williger Lust erblühte,
geboren war, ohne Wehen,
von der grausamen Mutter,
die seinen Namen nicht kannte.

Eisige Phrasen
spiegelten das Licht nach oben,
die Qual nach unten,
wo sich der Mensch
in Zweifeln krümmte,
anstemmte gegen die Last,
die ihm geladen war
zur ergötzlichen Lust
des ganz besonders Schuldlosen,
der aus der Plage sich erhoben sah,
als Auserwählter,
gleichgültig, ohne Gnade
und auch ohne Güte.
Der stand geblendet im Licht,
sah den Schatten nicht,
suhlte sich in der Unschuld
seligmachender Unwissenheit,
segnete seinen Gott,
der ihm den Glanz bescherte,
den Gott, den er sich schuf,
damit er bewahre und mehre,
was ihm gegeben war von der Macht,
deren Namen er nicht zu wissen wagte,
weil das Wissen die Schuld weckte
und das Paradies verdarb.  

Doch der mit dem Kreuz,
der andere Gott
war wieder ans Holz geschlagen
und müde,
müde die Sünden zu tragen,
die unbeachtet herumlagen
im Licht und auch im Schatten.
Er sammelte kleine Bedürfnisse,
in Portionen ungestillter Begierden,
sortierte alles
nach Art der Qual und Maß der Pein
und vermachte sie
dem ganz besonders Unschuldigen,
der sie zur Tugend nahm,
weil er unwissend war
und deshalb ohne Wahl.

Da kam der Satan mit wilder Gier
und wollte die Begierden rauben.
"Wie soll der Affe noch an mich glauben",
schrie er im Feuerschnauben,
"wenn er die Hölle auf Erden hat?
Die war doch immer mein Revier,
und die Begierden mein Getier.
Ich bin doch der Herr der Plag."
Der andere Gott sprach mit Bedauern:
"Geschliffen sind nun diese Mauern.
Die Welt lüstet nach Modernisierung
und nennt sie: Allgemeine Globalisierung.


Die Globalisierung ist im Grunde nichts anderes, als die Nutzung der
Möglichkeiten, die uns die moderne Technik zur Verfügung stellt. 
Das einzige was bis heute perfekt globalisiert wurde, ist die
Krise.
 
Es ist unser aller Aufgabe, dafür zu sorgen, dass auch soziales
Gewissen, Verantwortungsgefühl, Humanität globalisiert werden.
Dies mit dem Fernziel auf globalen Frieden.
Nehmen Sie Ihren Stimmzettel in die Hand und kämpfen Sie!


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*DENKVERWEIGERER:

Ob der Geradeausdenker konservativer ist als der Querdenker, ist keine
Untersuchung wert. Wer da gerade aus oder quer denkt, bleibt am Ende
eine Frage der Positionierung zueinander. Beide finden sich aber Seite an
Seite in der Konfrontation zum Denkverweigerer. 

HILFE!
DENKER ALLER LÄNDER VEREINIGT EUCH!


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*DER GLAUBE AN GOTT 

Ganz sicher ist Gott eine Sehnsucht des Menschen. Da stellt sich natürlich
die Frage, welches Gottesbild wurde uns vermittelt, welches haben wir
selbst entwickelt, wobei natürlich unsere Bedürfnisse, Schwächen und
Stärken mitgestaltet haben?
Nicht an Gott zu glauben, zeigt uns: dieses Gottesbild ist mangelhaft,
so dass wir an den Gott unserer Vorstellung nicht (mehr) glauben können.
Du sollst dir kein Bild machen, steht in der Schrift. Haben wir
einen Gott, der es uns schwer machen will, an ihn zu glauben oder will er
uns sagen, dass er Geist ist und nicht in der Welt der Materie gesucht
werden darf? Dürfen wir ihn durch unsere Vorstellungen, die eigene
Bedürfnisse und Wünsche zur Mutter haben, begrenzen?
Wo können wir ihn dann noch finden? Wir können ihn erst erkennen,
wenn er vorbei gegangen ist, steht in der alten Schrift. Das heißt doch
wir sollen ihn suchen, auch wenn er nicht zu sehen ist.
Wir finden ihn in der Liebe. So ist die neue Schrift zu verstehen.

Ach ja, noch etwas:
 Religionen sind Einrichtungen, die von Machtgierigen
bevorzugt zur Gestaltung und Wahrung ihrer Macht missbraucht werden. Sie verlieren ihre Rechtfertigung, wenn sie sich missbrauchen lassen.


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*Am 21. Juli 2007 fand in Tübingen ein Aufmarsch der
Jungnationalen statt.

Auch meine Frau und ich standen auf der Seite der Gegendemonstranten.

Danach:
Ohne Einsicht sind sie marschiert.
Der Verachtung haben sie
Fäuste entgegengestreckt
und ihren Zorn gezeigt.
Haben wir sie gesehen,
durch den Ekel, in ihrer Not?
Wie der Gerechte den Ungerechten
haben wir sie wahrgenommen.
Wenn aber unsere Verachtung 
Selbstgerechtigkeit ist?


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